8 kleine Helferlein - wichtige Signale im Hundealltag

 

Wir beschäftigen uns heute mit den Signalen, die meiner Meinung nach unerlässlich im Alltag mit unserem Hund sind. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Rasse der Hund angehört, was er sonst für Verhaltensauffälligkeiten hat oder ob er der bravste Hund der Welt ist.

 

Wir fangen zuerst mit den beiden elementarsten Dingen im Hundetraining an. Das ist zu einem die Leinenführigkeit und zum anderen der Rückruf.

 

Kommen wir als Erstes zur Leinenführigkeit. Allein schon aus gesundheitlichen Gründen – egal ob für Hund oder Halter – sollte euer Hund leinenführig sein. Ein Hund, der dauernd auf Zug läuft wird irgendwann Probleme mit dem Bewegungssparrat bekommen, da dieser einer ständigen Belastung ausgesetzt ist. Läuft der Hund am Halsband kommen sogar noch Beschwerden im Halsbereich und der Halswirbelsäule hinzu (das Brustgeschirr – warum ich dies im Training bevorzuge). Auch die Körpersprache eines ziehenden Hundes kann auf andere Hunde bedrohlich wirken, da der ganze Körper nach vorn verlagert ist. Eine gespannte Leine kann auch das Erregungsniveau des Hundes erhöhen (Druck erzeugt Gegendruck) und kann dadurch mit Frustration verbunden sein. Frustration kann aber nicht nur beim Hund entstehen, sondern auch beim Halter. Durch das ständige Gezerre vom Hund und der Hilflosigkeit des Halters entsteht Frustration und dies äußert sich dann häufig in groben Verhalten dem Hund gegenüber wie an der Leine rucken, den Hund anschreien und den Hund körperlich bedrängen. Dadurch wird das Problem aber nicht gelöst. Dann gibt es da natürlich noch den rechtlichen Aspekt. Hier in NRW ist es so, dass Hunde nicht überall Frei laufen dürfen und somit einem Leinenzwang unterstehen oder man führt einen sog. "Listenhund" , welcher keine Leinenbefreiung hat. Besonders an der Straße sollte eine gute Leinenführigkeit vorhanden sein, um z.B. Unfälle zu vermeiden oder um keine Gefährdung für andere zu sein. Neben diesen ganzen Faktoren, die ich genannt habe, hat auch als letzten Punkt sicher niemand Lust, sich von seinem Hund durch die Gegend ziehen zu lassen. Es obliegt aber unserer Verantwortung, dem Hund eine gute Leinenführigkeit beizubringen.

 

Nun zum Rückruf. Um dem Hund das Laufen ohne Leine zu ermöglichen und ihm somit die Freiheiten für Erkundungen, Auslauf und Sozialkontakt zu Artgenossen zu gewähren, muss der Hund abrufbar sein. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Freilauf. Hier sei der Sicherheitsaspekt genannt, sowohl Fremdgefährdung wie auch für den Hund selber. Ich glaube niemand wäre darüber glücklich, wenn der Hund Fremde oder sich selber verletzten würde. Zum Beispiel könnte ein Hund der Wild hetzt – weil er nicht abrufbar ist – von einem Auto überfahren werden oder ein Hund, welcher Probleme mit Joggern hat, könnte diesen beißen. Dein Hund könnte aber auch freundlich gestimmt Passanten belästigen oder anspringen und dadurch ihre Kleidung schmutzig machen. Ich denke allein die Gefährdung, die hier entstehen kann ist als Grund ausreichend, damit ein Rückruf trainiert wird.

 

Das nächste Signal auf meiner Liste ist das Abbruchsignal. Das Abbruchsignal soll den Hund in seinem Verhalten stoppen. Ein gut geeignetes Abbruchsignal ist z.B. der Geschirrgriff. Im Grunde ist jedes Verhalten, welches das unerwünschte Verhalten unterbricht ein Abbruchsignal. Als Beispiel: Wenn der Hund Besucher anspringt und ich gebe ihm das Signal "Sitz" habe ich das Verhalten "Anspringen" gestoppt.

 

Wichtig bei der Arbeit mit Abbruchsignalen ist, dass der Hund ein Alternativverhalten kennt, welches er statt dem unerwünschten Verhalten ausführen kann. Denn nur weil ein Verhalten durch uns beendet wird heißt das nicht, dass der Hund weiß was er stattdessen tun kann. Ein beliebtes Abbruchsignal bei Hundehaltern scheint das Wörtchen "Nein" zu sein, welches in den meisten Fällen so lapidar in den Alltag mit einfließt, ohne es je richtig aufgebaut zu haben. Dies kann Stress und Frustration beim Hund verursachen, denn er weiß überhaupt nicht was es bedeutet. Bei diesen alltäglichen Wörtern wie "Nein, Lass das, Schluss jetzt" schwingt oft unsere gereizte Tonlage noch mit und wir verbessern mit unserer Laune nicht gerade die Situation.

 

Abbruchsignale für unerwünschtes Verhalten sollten für den Notfall auftrainiert sein, sodass wir das unerwünschte Verhalten sofort, schnell, aber sanft beenden können. Wir sollten nicht den ganzen Tag versuchen unerwünschtes Verhalten zu unterbrechen, sondern dafür sorgen, dass es gar nicht erst auftritt. Dies können wir, indem wir dem Hund zeigen welches Verhalten von uns gewünscht ist und ihn in diesem bestärken, damit er das erwünschte häufiger zeigt. So kommen wir auch schnell zu dem nächsten Hilfsmittel im Hundetraining, dem Markersignal.

 

Das Markersignal (Markersignale – ein Hilfsmittel aus der Werkzeugkiste der positiven Verstärkung) ist eines meiner Lieblingswerkzeuge im Hundetraining, es ist ein klasse Hilfsmittel für Hund und Halter. Timing-Probleme werden gelöst und für den Hund wird eine positive Grundstimmung geschaffen, denn das Markersignal ist ein Versprechen auf eine Belohnung. Es dient als gemeinsame Sprache und wir können dem Hund genau sagen, welches Verhalten sich für ihn lohnt.

 

Ein weiteres wichtiges Signal ist das Umorientierungssignal (im folgenden UOS genannt). Das UOS stellt einen Aufmerksamkeitswechsel des Hundes mit Orientierung zum Menschen dar. Es kann für sich alleine stehen in bestimmten Situationen (z.B. als "Unterbrecher" des Blickkontaktes bei Hundebegegnungen), ist aber auch gleichzeitig als positiv aufgebautes Abbruchsignal verwendbar mit darauf folgenden Alternativverhalten. Auch ist es Bestandteil des "Doppelten Rückrufs". Das UOS für sich allein stellt kein spezifisches Verhalten dar, welches dem Hund sagt "Tu xy". Es ist lediglich ein Signal für eine Aufmerksamkeitsteilung des Hundes. Durch diese Aufmerksamkeitsteilung fällt es dem Hund auch leichter auf weitere Signale von uns zu reagieren. Das UOS sollte sicher und zuverlässig aufgebaut werden und muss zwischendurch auch in ablenkungsarmen Situationen aufgeladen werden.

 

Entspannungssignale sind weitere schöne Hilfsmittel, die uns helfen den Hund wieder ansprechbar zubekommen und ihn in seiner Erregung etwas runterzufahren. Entspannungssignale sind keine Wundermittel, die den Hund komplett beruhigen oder in eine völlige Entspannung bringen. Sie können uns aber helfen den Hund in den "denkenden Bereich" zurückzuholen und ihn wieder aufnahmefähig zu machen, damit er Signale annehmen kann. Es gibt verschiedene Arten von Entspannungssignalen, wie z.B. den Entspannungsduft, die Entspannungsdecke, taktile Signale oder das Entspannungswort..

 

Kommen wir nun zum vorletzten Signal, das Warten auf Distanz bzw. das Stoppen auf Distanz. Dieses Signal ist für den Freilauf von besonderer Bedeutung. Im Freilauf hält sich unser Hund nicht immer im direkten Einwirkungskreis von uns auf, sondern ist auch mal ein paar Meter entfernt. Um den Hund auch auf Entfernung vor Gefahren, wie z.B. eine befahrene Straße zu schützen, brauchen wir ein Signal damit unser Hund an Ort und Stelle wartet. Das Stoppen auf Distanz ist auch bei jagdlich motivierten Hunden gut geeignet, denn oft fällt es den Hunden leichter zu stehen, als zum Halter zurückzukehren.

 

Das letzte Signal ist der Handtouch. Dieses Signal ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber ich arbeite sehr gern damit. Der Handtouch hat sich bei vielen Situationen als sehr hilfreich erwiesen. Mit einem Handtouch könnt ihr euren Hund durch Situationen führen, er eignet sich im Aufbau von Signalen wie dem Seitenwechsel oder auch beim Fuß laufen, er kann als Alternativverhalten eingesetzt werden, im Rückruf genutzt werden oder einfach um den Hund von A nach B zu bringen.

 

Wie ihr seht, beinhaltet die Werkzeugkiste des positiven Hundetrainings viele tolle Signale, die euch und eurem Vierbeiner den Alltag erleichtern. Dies sind aber noch lang nicht alle.