Der Hund - das Nasentier

Unsere Fellnasen nehmen ihre Umwelt über den Geruchssinn wahr, denn sie sind Nasentiere sogenannte Makrosmatiker. Das Talent zum Suchen wurde ihnen als Beutegreifer mit in die Wiege gelegt. Ein Hund besitzt ca. 220 Millionen Riechzellen, der Mensch dagegen gerade mal ca. 5 Millionen. Die Anzahl der Riechzellen und die Größe der Riechschleimhaut variiert bei unterschiedlichen Rassen. Die olfaktorische Kommunikation ist wichtiger Bestandteil in der hundlichen Kommunikation und bis heute noch nicht gänzlich erforscht und aufgeschlüsselt.

 

Das (Riech-)Hirn spielt bei der Geruchsaufnahme mit die wichtigste Rolle, denn hier werden die Informationen verarbeitet und ausgewertet.

 

Geruch und "nicht hören wollen"

Auch das limbische System spielt eine Rolle, hier werden Emotionen geregelt. Positive wie auch negative Erfahrungen werden hier in Verbindung mit Gerüchen abgespeichert und können abgerufen werden.

Nimmt der Hund nun einen für ihn ganz besonders tollen Geruch wahr, so kann dies in ihm starke Emotionen auslösen, dass er auf unser z.B. Rufen gar nicht reagiert. Dies liegt daran, dass ihm dort das limbische System dazwischenfunkt. Er wird von den ausgelösten Emotionen so zu sagen überwältigt und kann das Rufen nicht wahrnehmen. Das limbische System legt quasi das Großhirn lahm. Dies hat nichts mit ungehorsam zu tun! Der Der Hund kann quasi nicht anders.

 

Schnüffeln, riechen, wittern, der Einsatz der Nase erfordert Konzentration und lastet den Hund körperlich wie auch geistig aus und verschafft ihm positive Gefühle. Nasenarbeit ist in meinen Augen "die" Beschäftigung schlechthin für den Hund. Die Sucharbeit ist ebenfalls sehr hilfreich, wenn man einen kleinen Jäger an der Leine hat. Ich befriedige seine Bedürfnisse, kann Vorlieben berücksichtigen und kann im Team mit ihm arbeiten (was auch wieder die Bindung fördert).

 

Es gibt verschiedene Arten der Nasenarbeit. Wir können zum Beispiel unterscheiden zwischen der reinen Spurensuche (Fährtenarbeit, verfolgen einer Geruchsspur), der Verlorenensuche und dem Stöbern (Freiverlorensuche, Verlorensuche auf der Rückspur, Flächen- und Trümmersuche, Dummytraining) und der Geruchsunterscheidung (der Hund soll einen ganz bestimmten Geruch finden und anzeigen, Geruchsmemory).

 

Das schöne an der Nasenarbeit ist, dass sie nicht nur etwas für draußen ist, man kann sie auch prima zu Hause umsetzten. So kann der Hund einen Sockenberg nach Leckerchen durchwühlen, Futter aus einem zusammen gerollten Handtouch ausgraben oder einen gebastelten Schnüffelteppich absuchen. Drinnen lassen sich auch einige Dinge aus der Nasenarbeit leichter aufbauen, da die Umgebung ablenkungsarm ist. So kann man z.B. das Apportieren eines Futterbeutels und das Suchen erst in der Wohnung kleinschrittig aufbauen, bevor man die Arbeit dann in die Umwelt verlegt.

 

Da die Nasenarbeit einen Hund ziemlich anstrengt, sollte man immer auf genügen Pausen achten und die Suche nicht zu lang werden lassen. Auch sollte man dem Hund zwischendurch genügend Wasser anbieten, damit er zu einem seinen Durst stillen kann (Suchen kann verdammt durstig machen) und damit die Nase befeuchtet wird (bei der Nasenarbeit trocknen die Schleimhäute aus).

 

Ich selber betreibe die Nasenarbeit mit meinen Hunden nur als Beschäftigung auf dem Spaziergang oder im Alltag. Der Unterschied zwischen Hobby-Suche und Sport liegt bei uns in der Ausführung, nicht alles muss wer weiß wie akkurat und perfekt ausgeführt werden, der Spaß steht bei uns an erster Stelle, nicht das Ziel. Und vorallem ohne Druck und Zwang!

Die simpelste Nasenarbeit die ich mit meinen Hunden betreibe, ist eine einfache Leckerchensuche. Dabei wird Futter einfach geworfen (z.B. ins Gras damit der Hund es erschnüffeln kann), über den Boden gerollt oder versteckt (z.B. an einem Baumstamm). Diese simple Suche steht unter Signalkontrolle, d.h. es ertönt das Signal "Such" als Startsignal und los geht’s. Dies mache ich erstens um das Verhalten des Suchens abrufen zu können und um zu verhindern, dass die ganze Zeit nach Futter gesucht wird.

 

Dann wäre da noch das "gemeinsame Jagen", Mensch und Hund als Team. Wir entdecken zusammen Wildspuren und verfolgen diese ein Stück (oder auf der Rückspur), wir beobachten Tiere in der Natur aus der Ferne, wir buddeln zusammen nach Mäusen und machen "Beute" (z.B. finden wir eine Stück Pansen im Mauseloch, yammiiiiiii). Dies lässt sich super in den ganz normalen Gassi-Runden einbauen. Diese Dinge tun wir natürlich mit Rücksicht auf die Flora und Fauna und beachten dabei stets die Brut- und Setzzeit.

 

Lasst den Schnüffelspass beginnen! Denn nur ein ausgelichener Hund ist auch ein glücklicher Hund.