Belohnung im Hundetraining

"Ich bin doch kein Futterautomat" hört man die Leute oft sagen, wenn man auf das Thema Belohnung im Hundetraining zu sprechen kommt. Dabei ist das Belohnen mehr als nur mit Futter um sich zu werfen. Belohnungen sind sehr vielfältig und bestehen halt nicht nur aus Futter. Eine Belohnung ist generell erst einmal alles, was der Hund toll findet. Dabei sollte man stets im Hinterkopf haben, dass der Hund entscheidet was für ihn belohnend ist, nicht der Mensch!

 

Viele Hundehalter sind der Meinung, dass der Hund einfach so gehorchen soll. Warum er das tun sollte ist mir nur nicht ganz klar??? Weil der Mensch sich als Chef sieht, dem man ohne zu Fragen folgt? Weil er der angebliche Rudelführer ist? Weil er dem Hund ein Zuhause bietet und dieser schließlich dankbar sein sollte?

 

Wirft man mal einen Blick in die Lerntheorie und setzt sich mit dieser auseinander, wird schnell klar warum man Belohnungen im Hundetraining gezielt nutzen sollte. Hunde lernen u.a. an Konsequenzen, die auf ein gezeigtes Verhalten folgen. Dies nennt man in der Fachsprache "Operante Konditionierung". Kurz gesagt heißt das:

  • ein Verhalten, welches dem Hund Erfolg bringt, wird in Zukunft öfter auftreten
  • ein Verhalten, was nicht zum Erfolg führt, wird in Zukunft seltener gezeigt

Eine Belohnung ist so eine Konsequenz auf ein bestimmtes Verhalten (man spricht hier auch von Verstärkern). Sie motiviert den Hund und gibt ihm eine Rückmeldung über richtiges erwünschtes Verhalten. Belohnungen fördern also das Lernen und erhöhen die Kooperationsbereitschaft des Hundes.

 

Belohnungen können auf verschiedene Arten entstehen. Zum einen kann die Belohnung vom Menschen kommen. Das kann Futter, Spielzeug, sozial Kontakt oder auch eine Übung, die ausreichend positiv verstärkt wurde sein.

 

Ich persönlich nutze Futter sehr gerne im Training, denn ich habe sehr verfressene Hunde. Das Praktische daran ist, dass Futter sehr klein gemacht werden kann und dadurch in jede Tasche passt. Im Gegensatz zu einer bestimmten Umweltbelohnung kann ich es immer dabei haben. Auch der Auswahl sind hier keine Grenzen gesetzt. Ich kann neben den handelsüblichen Leckerchen auch Wurst, Käse, gebratenes Hähnchen oder gefüllte Futtertuben verwenden. Was die Fellnase halt gerne mag. Des weiteren kann ich durch die Darreichungsform des Futters die Wertigkeit erhöhen. Zum Beispiel ein geworfenes Leckerchen, welches der Hund hetzen und suchen darf ist attraktiver, als ein Leckerchen aus der Hand zu nehmen.

 

Hier möchte ich auch direkt den Punkt "Locken" ansprechen, denn zu oft höre ich "der Hund tut das dann ja nur, weil ich ein Leckerchen habe!". Den Hund belohnen ist nicht das gleiche wie den Hund locken. Beim Locken präsentiere ich dem Hund das Leckerchen, bevor er ein Verhalten ausführt, z.B. um ihn damit in ein Sitz zu locken. Locken ist eine Möglichkeit um ein Verhalten zu bekommen. Belohne ich dagegen den Hund mit einem Leckerchen, bekommt er dies erst präsentiert wenn, er das gewünschte Verhalten ausgeführt hat. Ich sage das Signal "Sitz", der Hund führt dieses aus und bekommt dann erst die Belohnung.

 

Zum anderen kann die Belohnung aus der Umwelt kommen, wie z.B. plantschen im Wasser, eine interessante Schnüffelstelle erkunden, eine Spur verfolgen oder in etwas ekeligen wälzen.

 

Eine Belohnung sollte im besten Fall zum Bedürfnis und zu der Motivation des Hundes passen. So können wir noch effektiver trainieren. Ein kleines einfaches Beispiel dazu: Ein Hund wird aus dem Hundespiel gerufen. Für das Befolgen des Rückrufs darf er sofort zurück zu seinen Artgenossen und weiterspielen.

 

Um eine Übersicht der verschiedenen nutzbaren Belohnungen zu bekommen, kann man eine Top-twenty-Belohnungsliste anfertigen. Dazu notiert man sich all die Dinge, die der Hund toll findet, dies können auch unerwünschte Verhaltensweisen sein. Für die unerwünschten Verhaltensweisen überlegt man sich dann Alternativen. Dann ordnet man die Belohnungen von 1 (findet Hund superklasse) bis 20 (nicht ganz so dolle). Dies ist sehr sinnvoll. Wenn man die Liste einmal im Kopf abgespeichert hat, kann man schneller drauf zugreifen und den Hund individuell passend zur Situation belohnen.

 

Ein Beispiel wie eine Belohnungsliste aussehen könnte:

 

1. Spiel mit der Hetzangel (Alernative zum Wild hetzten)

2. Distanzvergrößerung zu Artgenossen

3. Rennspiel mit dem Menschen

4. Spuren abschnüffeln

5. Käse

6. das 10-Leckerchen-Spiel

7. Fleischwurst

8. Beobachten von Wild

9. Schlecken an der Futtertube

10. im Wasser plantschen

11. Ball jagen

12. Popo kraulen

13. Zergeln

14. Futter belauern

15. Buddeln

16. Futter suchen

17. Dummy apportieren

18. Spiel mit anderen Hunden

19. wälzen

20. Trockenfutter