Training mit welpen

Die Jugendentwicklung (juvenile Phase) beginnt direkt nach der Geburt und beim Hund teilen wir diese Phase noch in den Abschnitt der Welpenzeit (frühe Jugendentwicklung), der Pubertät - welche mit dem erreichen der Geschlechtsreife abgeschlossen ist - und die Adolezenz (späte Jugendentwicklung) ein. An die Jugendentwicklung schließt dann die erwachsenen Phase an. Die Übergänge dieser Phasen sind fließend und gehen nahtlos in einander über. Mit dem Beginn des Zahnwechsels wird das Ende der Welpenzeit angekündigt und nach dem Zahnwechsel sprechen wir von einem Junghund. Der Zahnwechsel ist kennzeichend für den Übergang vom Welpen zum Junghund.

 

Die sensible Phase

In die Welpenzeit fällt auch die sensible Phase. Sie beginnt ca. ab der 3ten Lebenswoche und dauert ungefähr bis zur 16ten Woche an (hier kommen die meisten Hunde auch in den Zahnwechsel). In dieser Phase lernt unser Hund besonders schnell und hat einen starken Drang sein Bedürfnis nach Umwelterkundung auszuüben, das SEEKING-System ist besonders aktiv. Es handelt sich dabei aber nicht um eine "Alles-oder-Nichts-Phase", der Welpe muss also nicht möglichst schnell vielen neuen Reizen und Situationen ausgesetzt werden. Dies wäre sogar eher schädlich als förderlich, denn es werden nicht nur positive Erfahrungen schnell abgespeichert, sondern schlechte Erfahrungen werden eben so schnell gelernt. Deshalb sollten wir unserem Welpen die Möglichkeit geben die Umwelt in seinem Tempo zu erkunden, positive Assoziationen herzustellen und sein Neugier- und Erkundungsverhalten befriedigen und fördern. Die Qualität der Erfahrungen ist hier viel wichtiger, als die Masse! Das macht eine gute Sozialisation aus. Nach der 16ten Lebenswoche hört Lernen natürlich nicht einfach auf, es findet nur langsamer statt.

 

Das Angstsystem

Etwas später als das SEEKING-System entwickelt sich schleichend das Angstsystem beim Welpen. Mit der 8 / 9ten Woche erreicht die Entwicklung des Angstsystems seinen Höhepunkt, nun ist das Angstsystem voll aktiv und die erste Angstphase beginnt. Diese erste Angstphase dauert ca. 1 Woche bis sich das System eingependelt hat. Diese Angstphase lässt sich grob daran erkennen, dass der Welpe Konflikt- und Meideverhalten an neuen Reizen zeigt und auch bis dato Bekanntes wieder unheimlich sein kann. Hier sollte man sehr behutsam mit dem Welpen umgehen, denn auch wenn es "Phase" heißt, bleibt das was als Gruselig eingestuft wurde, das Gelernte bleibt erhalten. Wir müssen also schauen, dass der Welpe Bewältigungsstrategien lernt, damit es ihm gut geht, auch wenn er sich mal erschreckt. Er sollte lernen dürfen, ob er sich annähern mag oder nicht und trotzdem keine Ressourcen verliert, wenn er nicht hin möchte.  

 

Umwelterkundung, Bewältigungsstrategien, eigenes Tempo, positive Erfahrungen...

...das ist elementar für das Lernen mit Welpen und so sollten auch die Draußen-Zeit gestaltet sein. Der Welpe sollte genügend sensorische Stimulation durch die Umwelt erfahren können, aber ohne dadurch überfordert zu werden. Das heißt, dass man nicht dieses typische Spazieren gehen mit dem Welpen macht, sondern an einem Ort oder in einer Situation den Welpen die Umwelt erkunden lässt. Dort kann er dann positive Erfahrungen sammeln und sich so bewegen, wie er es möchte. "Strecke machen" sollte man nicht mit ihm zu Fuß. Das hat mehrere Gründe, er kommt dann evtl. mit  zu vielen neue Reizen in Berührung, die ihn überfluten könnten, das Erregunslevel kann steigen und gleichbleibende, wiederholte Bewegungen sind für die Entwicklung des Bewegungsapparat ein Risiko. Dann wird der Welpe halt getragen oder gefahren, wenn man einen Weg gehen mag und nicht nur einen Ort erkunden möchte.

 

Bevor es aber überhaupt in die große weite Welt geht, ...

...bevor es an die Sozialisation mit der größeren Umwelt geht, beginnt man im kleinen Rahmen, im häuslichen Umfeld. Auch hier können wir dem Welpen schon viel bieten: Geräusche, Gerüche, Erkundung von neuen Objekten, usw. Der Mensch baut eine Beziehung auf zum Hund und daraus entsteht Bindung, der Mensch wird zum Bindungspartner, zum schützenden Hafen und dann kann man den Radius langsam erweitern, indem man mit ihm z.B. wo hinfährt.

 

Umgang mit negativen Erlebnissen

Wir müssen damit rechnen, dass der Welpe über kurz oder lang auch mal negative Erfahrungen machen wird. Das lässt sich gar nicht vermeiden, wir bringen ihn in eine Umwelt, die sich verändert. Das Bewältigen von Stresssituationen, den Welpen unterstützen, das gehört ebenfalls zu positiven Erfahrungen. Wichtig ist, dass der Welpe lernt mit neuartigen und fremden Dingen umzugehen, Stresssituationen zu bewältigen und von uns die Unterstützung erfährt, die er benötig.

 

Artgenossen treffen

Der Welpe sollte positive Erfahrungen mit Artgenossen sammeln dürfen. Das bedeutet aber nicht, dass man dem Welpen irgendwelche Hunde einfach vorsetzt, den Welpen zu jedem Hund hinlässt oder ein Haufen Welpen in einer Welpenspielgruppe aufeinander loslässt. Kontakt zu Artgenossen, JA! aber nicht um jeden Preis. Das heißt hier gilt ganz klar Qualität vor Quantität! Und Sozialisation mit Artgenossen bedeutet auch nicht, dass der Welpe im direkten Nahkontakt mit dem Hund sein muss, im Gegenteil Kontakt kann auf Distanz stattfinden oder der Welpe kann einfach nur beobachten und schöne Dinge in der Nähe von Artgenossen erleben.

 

Ruhe und Aktivität

Auch das Ruhebedürfnis von Hunden, besonders bei Welpen, sollte Beachtung finden. Ein Wechsel zwischen aktiven Phasen und Phasen der Ruhe ist wichtig. Wenn der Welpe, viel beißt, bellet, Übersprungsverhalten zeigt oder schnell in eine hohe Erregung kommt, nachdem er aktiv war, ist das oft ein Zeichen davon, dass Anzeichen für "Jetzt brauche ich Ruhe" übersehen worden sind oder falsch darauf reagiert wurde. Nach aktiven Phasen sollte der Welpe langsam runterreguliert werden, denn von 100 auf 0 runterzufahren ist mehr als schwierig. Auch hier können wir unseren Hund gut unterstützen, indem wir diesen Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe praktizieren. Dabei ist das Ruhe- und Aktivitätsbedürfnis individuell bei jedem Hund.

 

Futter nutzen für die Sozialisierung

Jeder Welpe muss essen, warum also nicht auch Futter im Training gezielt einsetzen?

Nur bitte nicht falsch verstehen, der Welpe muss sich sein Futter nicht erarbeiten und er sollte auch nicht mit Futter in irgendwelche Situationen gebracht oder auf irgendwelche Geräte, die ihn ängstigen könnten, gelockt werden! 

Futter ist sehr vielseitig! Wir können über Futter Aktivität / Bewegungen regulieren, Erkundungsverhalten angeregen und wir können mit Futter Beschäftigungen anbieten. Hier kommt dann auch die Top-20-Liste ins Spiel, die Hitliste des Hundes, mit all den Verhalten, die er gerne zeigt. Die Arbeit mit dieser Liste ist bei mir ein wichtiges Werkzeug beim Hundetraining, egal ob Jung oder Alt.

 

Mit unserem Welpen müssen wir nicht sofort ein komplettes Trainingsprogramm mit Sitz, Platz, Bleib und Rolle rückwärts durchlaufen, dafür gibt es noch genügend Zeit. Kleine Trainingswerkzeuge erlernen, die im Alltag unterstützen sind völlig ausreichend oder Grundlagen für späteres Training bilden. Dazu gehören aber sicher nicht sämtliche "Grundgehorsamssignale". Die wichtigen Dinge ergeben sich bereits aus dem zuvor geschriebenen Zeilen.

 

Du findest bei mir also nicht die typischen Welpen(spiel)gruppen, sondern Training angepasst an deinen Welpen und eure Welpenzeit. Wir legen gemeinsam einen Grundstein für einen guten Start in den Alltag und schauen auf die Dinge, die wirklich wichtig sind.

Hundeschule hundsverrückt - Coaching für Hund und Halter

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